Telematik in der Versicherungswirtschaft

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Self-Tracking, Wearables, Versicherung, businessheute

Experten sind sich einig: Der nächste Boom in Deutschland wird von Wearables ausgelöst.1 Meist am Handgelenk getragen, sammeln die kleinen Helfer Daten über beispielsweise Herzfrequenz und Kalorienverbrauch beim Sport. Hier wittern Versicherungen neue Geschäftsmodelle, die den Kunden maßgeschneiderte Tarife ermöglichen sollen, ähnlich der Pay-As-You-Drive-Variante für KFZ-Versicherungen. Das Prinzip soll „Pay-As-You-Live“ heißen – aber wo liegen die Chancen, wo die Risiken?

Das Self-Tracking, also die Erfassung körpereigener Vitalfunktionen in Datenform, hat Hochkonjunktur. Fitness-Apps wie beispielsweise Runtastic oder Armbänder wie Jawbone sind inzwischen auf vielen Smartphones und an vielen Handgelenken zu finden.
Allerdings polarisieren diese Gadgets gewaltig. Die Befürworter sehen einen Ansporn darin, sich mit anderen Nutzern zu vergleichen und eine Steigerung ihrer Leistung nachvollziehen zu können.
Kritiker empfinden Self-Tracking eher als Fernüberwachung und Verletzung des Datenschutzes, denn: teilen die Nutzer ihre Ergebnisse in sozialen Netzwerken, geben sie nicht nur sensible Daten preis, sondern erteilen den Plattformanbietern auch die Nutzungsrechte an diesen.2 Allen voran äußert der Verband Deutscher Versicherungsmakler e.V. (VDVM) seine Bedenken: Er befürchtet, dass viele Server der Dienstleister außerhalb Europas stehen, so dass das strenge europäische Datenschutzrecht hier nicht gilt.3

Alles eine Frage der Freiwilligkeit

Das Pay-As-You-Drive-Modell ist in einigen Ländern bereits Gang und Gäbe, in Deutschland steckt es noch in den Kinderschuhen. Trotz allem ergab eine Umfrage der Verbraucherkreditbank Credit Plus bereits jetzt, dass sich 43 Prozent der Befragten eine Überwachungsbox in ihr Auto einbauen lassen würden, um dadurch möglicherweise ihren KFZ-Versicherungsbeitrag zu senken.4
Die Pay-As-You-Live-Variante ist von einem marktfähigen Tarif allerdings noch ein großes Stück entfernt. Jedoch wäre es bereits jetzt denkbar, mithilfe von Gadgets den Arztbesuch zur Risikoerfassung einzusparen.
Für die Zukunft ist folgender Ablauf angedacht: Gibt der Versicherte seine Daten frei, erhält er im Gegenzug weitere Vorteile wie zum Beispiel Rückmeldungen zur Verbesserung seines Risikoverhaltens, Zusatzservices, schnellere Prozesse sowie die Option, den Versicherungsbeitrag und auch die eigene Gesundheit selbst zu beeinflussen. Für die Versicherungsbranche ergeben sich dadurch neue Geschäftsmöglichkeiten: Versicherer können ihre Kunden zu einem bestimmten Thema, beispielsweise Gesundheit oder Fitness, aktiv begleiten und die Kundenloyalität über mehr Interaktionsmöglichkeiten erhöhen.

Einen Überblick über das Pay-As-You-Live-Prinzip sowie die aktuell damit verbundenen Herausforderungen, finden Sie in dieser Infografik.

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