Das Smartphone der Zukunft: Geldbeutel und Bankfiliale in einem

4 von 5 Sterne, 1 Bewertung

Bar, mit Karte – oder doch lieber per Smartphone?

Payment Apps, Mobiles Bezahlen, businessheute

Trotz intensiver Bemühungen hat sich das bargeldlose Bezahlen hierzulande nie so richtig durchgesetzt. Das könnte sich nun ändern. Experten sehen die Kundenbasis für mobile Bezahldienste in den nächsten fünf Jahren auf über 11 Millionen Nutzer anwachsen. Auch das Banking, wie wir es heute kennen, könnte es schon bald in dieser Form nicht mehr geben.

Lange Zeit hatten die Anbieter von Kreditkarten in Deutschland einen schweren Stand. Die Deutschen lieben es offenbar, ihre Einkäufe mit Bargeld zu bezahlen. Noch im vergangenen Jahr wurden 53 Prozent aller Waren und Dienstleistungen von Privatpersonen bar beglichen.1 Gleichzeitig ist aber ein Trend hin zum bargeldlosen Bezahlen zu beobachten. Mit 60 Prozent ist die Zahl der Transaktionen, die über Kreditkarten getätigt werden, von 2009 bis 2013 rasant gestiegen.2 Vor allem beim Online-Shopping und bei größeren Beträgen greifen Konsumenten gerne zum Plastikgeld.

Hohe Smartphone-Verbreitung beflügelt bargeldloses Bezahlen

Einen wahren Schub könnte der bargeldlose Zahlungsverkehr in Zukunft durch das Mobile Payment erleben. Experten rechnen damit, dass das Smartphone in zehn Jahren zum drittwichtigsten Zahlungsmittel nach Kredit- und Debitkarten gehören wird.3 Befragt haben die Marktforscher von BITKOM 100 Geschäftsführer und Vorstände von Finanzunternehmen in Deutschland. Die Chancen stehen gut, dass die Deutschen diesmal tatsächlich Gefallen am bargeldlosen Bezahlen finden könnten. Denn: Ein Smartphone besitzen 63 Prozent der Bundesbürger über 14 Jahren4 – Tendenz weiter steigend. Und auch die notwendige Technik ist vorhanden: Schon heute bieten mehr als 80 Unternehmen Apps für das Mobile Payment an.

Sicherheitsbedenken zum Trotz: Mobile Payment wird kommen

Allerdings ist der Markt für mobile Bezahlsysteme derzeit stark fragmentiert. Viele unterschiedliche Anbieter, insbesondere kleine Start-ups ohne die notwendige finanzielle Ausstattung und Reichweite, tummelten sich in diesem Segment, hat eine pwc-Studie unlängst festgestellt.5 Zudem sind nur die wenigsten Lösungen wirklich ausgereift. Auf Seiten der Nutzer gibt es ebenfalls Nachholbedarf: Von den 63 Prozent mobilen Internet-Nutzern kaufen derzeit nur 35 Prozent über ihr Handy ein. Davon kennen gerade einmal ein Prozent die Möglichkeiten mobiler Bezahlsysteme. Trotzdem sind sowohl die Marktforscher als auch die Bankmanager zuversichtlich, dass sich diese Zahl in den nächsten Jahren vervielfachen wird. Einiges spricht dafür: Die Zahl der mobilen Endgeräte wird in den nächsten Jahren weiter stark ansteigen. Auch dem Online-Shopping6 und insbesondere dem Mobile Shopping7 werden gute Wachstumschancen vorhergesagt. Mit dem Ausbau der Akzeptanzstellen – also derjenigen Läden, in denen mobil bezahlt werden kann – und der Verbreitung neuer Technologien wie Bluetooth-Low-Energy (BLE) oder Nearfield Communication (NFC) sind zwei weitere wichtige Voraussetzungen gegeben, die das Mobile Payment vorantreiben dürften.

Das Banking der Zukunft ist mobil und automatisiert

Und noch etwas könnte der Siegeszug des Smartphones beschleunigen: Den Rückbau der Filiallandschaft, wie wir sie heute aus dem Private Banking kennen, und den Ausbau des Mobile Bankings. Schon heute nutzt jeder zweite Deutsche das klassische Online-Banking.8 Hier scheinen die Hemmnisse auf Verbraucherseite also deutlich geringer als beim bargeldlosen Zahlen auszufallen. Und nach Ansicht von Experten kann es nicht mehr lange dauern, bis das Handy endgültig zur mobilen Bankfiliale wird. Drei Viertel der Finanzmanager rechnen fest damit, dass es in zehn Jahren üblich sein wird, seine Bankgeschäfte über das Smartphone abzuwickeln. Dazu zählen für die Befragten nicht nur einfache Transaktionen wie Überweisungen. Auch die Kreditvergabe sowie die Finanzberatung sollen künftig mobil und automatisiert – das heißt: ohne jegliches Zutun eines Bankberaters – erfolgen.9

Handel und Verbraucher müssen mitspielen

Ob diese Szenarien, die technisch heute schon möglich sind, tatsächlich so eintreten werden, hängt für die Experten der Bundesbank vor allem von zwei Faktoren ab: der Akzeptanz des Handels und dem damit einhergehenden Ausbau von NFC-fähigen Bezahl-Terminals.10 Derzeit gibt es in Deutschland erst 60.000 solcher Akzeptanzstellen.11 Der zweite Erfolgsfaktor sind die Verbraucher selbst, die derzeit wenig bis gar nichts über Mobile Payment und Mobile Banking wissen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Deutschen kaum experimentierfreudig sind, wenn es ums Thema Geld geht. „Kurzfristige Änderungen der Zahlungsgewohnheiten“ erwarten die Bundesbanker – im Gegensatz zu ihren Kollegen aus den Filialbanken – daher eher nicht. Einen Silberstreif am Horizont sehen aber auch sie: „Gerade die Befragten zwischen 18 und 24 Jahren zeigten sich in der Studie sehr offen für innovative Bezahlverfahren“, heißt es aus Frankfurt. In zehn Jahren sind diese dann zwischen 28 und 34 Jahren. Alt genug, um ihr dann üppigeres Geld mit dem Smartphone auszugeben und anzulegen.

Wo Deutschland beim Thema Mobile Payment steht und wohin die Reise geht, verrät die folgende Infografik:

(1) Deutschen Bundesbank: Zahlungsverhalten in Deutschland 2014
(2) Frankfurter Allgemeine Zeitung: Der Siegeszug der Kreditkarte
(3) BITKOM: Digitalisierung in der Finanzbranche
(4) Umfrage im Auftrag des Digitalverbands BITKOM
(5) pwc: Mobile Payment in Deutschland 2020 – Marktpotenzial und Erfolgsfaktoren
(6) pwc: Total Retail
(7) Centre for Retail Research: Mobile Retailing 2015
(8) Statista
(9) BITKOM: Digitalisierung in der Finanzbranche
(10) Deutschen Bundesbank: Zahlungsverhalten in Deutschland 2014
(11) BITKOM: Jeder Dritte könnte auf Bargeld verzichten

Bildquelle: (c) Tyler Olson, Fotolia

Kommentare

4 von 5 Sterne, 1 Bewertung

Es gibt noch keine Kommentare

Kommentar hinterlassen

Haben Sie Fragen oder Anregungen?

Schreiben Sie uns an
info@businessheute.de