„Pay as you live“ - Versicherungen wollen IoT-Daten nutzen

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IoT-Daten ermöglichen maßgeschneiderte Versicherungsprodukte

Versicherung, IoT, businessheute

In der Zukunft wird nahezu alles digital verbunden sein – da sind sich die Experten einig. Eine aktuelle Huawei-Studie prognostiziert für das Jahr 2025 über 100 Milliarden vernetzte Geräte.1 Für dasselbe Jahr gaben 83 Prozent in einer Umfrage an, dass das Internet der Dinge eine weite Verbreitung und positive Auswirkungen auf das Alltagsleben der Bevölkerung haben wird.2 Von diesen in Echtzeit erzeugten Sensordaten im Internet of Things (IoT) könnte auch die Versicherungsbranche enorm profitieren. Schließlich lassen sich damit Verhaltensweisen von Versicherten zielgerichtet tracken sowie Risiken besser vorhersagen – und die Versicherungstarife sowie -dienstleistungen dementsprechend individuell anpassen. Assekuranzunternehmen sollten sich jetzt für eine Strategie entscheiden.

Gegenstände wie Türen, Fenster, Heizung, Armaturen oder Küchengeräte, die durch das IoT miteinander verbunden sind, lassen sich direkt versicherungsrelevant überwachen. So werden selbstständig lernende Systeme („Machine Learning“) etwa bei Schutz-Policen für Gebäude für Versicherungsunternehmen immer interessanter. In einem gemeinsamen Projekt der Technischen Universität München und der Münchener Allianz Versicherung wurde basierend auf Big Data Analytics ein IoT-Szenario entworfen, das über Sensoren in Gängen, Büroräumen und an Gegenständen Verhaltensweisen sowie Situationen lernt und auswertet. Daher kann das System normale von ungewöhnlichen Ereignissen unterscheiden und gegebenenfalls Einbrüche oder Brände erkennen, was Fehlalarme erheblich reduziert.

Dieses Beispiel zeigt: Durch Digitalisierung und Internet of Things bieten sich viele neue strategische Möglichkeiten für den Versicherungssektor. Dank IoT müssen die Versicherer künftig nicht mehr auf ungenaue Statistiken zurückgreifen, sondern können mit sensorgestützten Realtime-Daten arbeiten. Dadurch lässt sich auch eine immer engere sowie persönlichere Kundenbindung aufbauen. Ziel muss sein, mit den datengesteuerten Erhebungen einen Mehrwert für alle Beteiligten zu generieren: „Du stellst mir deine Daten zur Verfügung und zahlst dafür weniger Prämien bzw. bekommst die genau auf dich zugeschnittene Police.“ Die Branche würde sich so immer weiter weg von ihrer klassischen Funktion als Kostenregulierer hin zum Dienstleister bewegen und dabei gleichzeitig neue Märkte erobern, beispielsweise in Bereichen wie Mobilität, Automotive, Gesundheit oder Sicherheit. Im Jahr 2020 sollen laut Marktbeobachtern mit Services im IoT-Umfeld über 263 Milliarden US-Dollar weltweit umgesetzt werden.3 Lohnende Aussichten.

Datenschutz als fester Teil von Versicherungsprodukten

Vieles klingt hier jedoch noch nach Zukunftsmusik. Eine Herausforderung für die Versicherer ist die Tatsache, dass oft nicht geklärt ist, wem die ermittelten Daten überhaupt gehören. In vielen Bereichen stehen die Versicherungsunternehmen weiter hinten in der „Big-Data-Nahrungskette“, zum Beispiel hinter Automobilherstellern und IT- sowie Kommunikationsriesen wie Alphabet oder Apple. Dabei spielt den Versicherungen zumindest in Europa eine aktuelle Entwicklung in die Hände: Den eigentlichen Eigentümern der Daten, also denjenigen, die Fahr-, Bewegungs-, Körperdaten etc. produzieren, wird der große wirtschaftliche Wert ihrer Daten, ihres „Quantified Self“, immer bewusster – und sie wollen selbst darüber entscheiden, wem sie diese zur Verfügung stellen.

Anwendungs- und Produktmöglichkeiten im IoT-Versicherungs-Umfeld lassen sich überall finden. Sie alle haben aber mit personenbezogenen, sensiblen Daten zu tun. Deren Nutzung geht nur über das ausdrückliche Einverständnis der Kunden. Hier müssen ihnen die Mehrwerte klar kommuniziert und gleichzeitig die Ängste vor Datenmissbrauch oder -verlust genommen werden, etwa durch ein Angebot verschiedener Stufen von Privatsphäre in einer unabhängigen Private Cloud („Privacy-by-Design“). Auf der anderen Seite müssen die Versicherungsunternehmen auch die notwendige Innovationsbereitschaft in der Produktentwicklung mitbringen und die entsprechenden Rahmenbedingungen und Kooperationen für die Einbeziehung von neuen Technologien sowie IoT-Plattformen schaffen.

Sehen Sie in unserem Video kurz zusammengefasst, wie Versicherungsunternehmen vom Internet of Things profitieren können:

Nur innovative Versicherungsdienstleister bleiben erfolgreich

Laut einer Studie von Roland Berger sind die Versicherungen in Europa bisher allerdings nahezu ausschließlich im Automotive-Sektor aktiv: 60 Prozent arbeiten hier bereits an Versicherungslösungen („Pay as you drive“). Dabei besitzen auch andere Bereiche wie etwa Heim/Haushalt oder Gesundheit ein enormes Potenzial für Versicherungsunternehmen, um mit IoT-Anwendungen ihre Produkte perfekt auf ihre Kunden auszurichten – ganz nach dem Motto: „Pay as you live“. Die Studie zeigt jedoch, dass gerade einmal 6 Prozent im Smart-Home-Umfeld und sogar nur 3 Prozent im Healthcare-Sektor aktiv sind.4 Besonders im E-Health-Bereich könnten Versicherer punkten, da sich hier der Markt gerade entwickelt. Unter anderem können Sensoren in den Sportschuhen, Wearables und Fitness-Tracker Aktivitäts- sowie Körperdaten direkt über die Cloud an die Krankenversicherung übermitteln. Damit lassen sich Kunden über Incentive-Programme mit Beitragsnachlässen und Rabatten für Fitnessstudios oder Wellnessbehandlungen belohnen oder ihnen situativ bei Unterschreitung bestimmter Parameter Förderprogramme anbieten.

Mögliche Kunden müssten aber von den Versicherungen erst einmal überzeugt werden, ergab eine aktuelle Studie von Vodafone. Dabei fühlen sich nur 27 Prozent der Befragten wohl dabei, Versicherungen auf ihre Gesundheits- und Fitnessdaten zugreifen zu lassen.5 Dank des Trends zum „Quantified Self“ könnte sich hier in nächster Zeit noch etwas ändern, wenn Mehrwert und Datenschutz stimmen. Voraussetzung für den reibungslosen Datenaustausch sind entsprechend sichere IoT-fähige Cloud-Plattformen.

Innovative Versicherungsunternehmen haben also eine sehr gute Chance, ganz vorne bei der Neuverteilung der Marktsegmente mitzuspielen. Dazu müssen sie aber so schnell wie möglich die strategischen und technischen Rahmenbedingungen (auch durch Kooperationen) schaffen, um neue, zukunftsfähige Produkte sowie Dienstleistungen in digitalen IoT-Umgebungen bereitzustellen, und gleichzeitig dem Sicherheits- sowie Datenschutzbedürfnis der Kunden gerecht werden.

Mehr Informationen zum Thema Internet of Things und Versicherungen erhalten Sie in unserer exklusiven Infografik:

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(1) Huawei-Studie: „Global Connectivity Index 2015”, 2015
(2) Pew Research Center Report: „The Internet of Things Will Thrive by 2025”, 2014
(3) Gartner Report: „Analysts to Explore the Disruptive Impact of IoT on Business at the Gartner Symposium/ITxpo”, 2014
(4) Roland Berger Think Tank: „Internet of Things and insurance”, 2015
(5) Vodafone Institut für Gesellschaft und Kommunikation: „Big Data: Wann Menschen bereit sind, ihre Daten zu teilen“
Bildquelle: (c) Jakub Jirsák, Fotolia

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