Die Stadt der Zukunft ist vernetzt – aber wie wird sie smart?

Smart City: Digital die Zukunft meistern

Lesedauer des gesamten Interviews: ca. 12 Min.

Die Digitalisierung hat in allen Branchen Einzug gehalten. Auch auf die Stadt der Zukunft warten neue Herausforderungen und digitale Lösungen helfen dabei, diese zu bewältigen. Städte der Zukunft müssen „smart“ werden, um den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung sowie den daraus entstehenden Bedürfnissen der Bürger gerecht zu werden. Doch was macht eine Smart City aus? Professor Dr. Frederik Ahlemann, Professor für Wirtschaftsinformatik und Strategisches IT-Management an der Universität Duisburg-Essen, erläutert im Interview das Konzept einer Smart City und wie sich die aktuelle Situation in Deutschland – auch im internationalen Vergleich – gestaltet. Dabei spielen die Themen E-Government, Wettbewerb unter den Städten, Globalisierung und Datenschutz eine zentrale Rolle. 

Professor Dr. Frederik Ahlemann ist Professor für Wirtschaftsinformatik und Strategisches IT-Management an der Universität Duisburg-Essen. Er entwickelt gemeinsam mit seinem Team sinnvolle Smart City-Strategien. Dabei geht es weniger um die technischen Aspekte, sondern eher um die Frage, wie man diesen Wandel plant und steuert, welche Prozesse und Strukturen es braucht und welche Regelwerke nötig sind. Und wie der kulturelle Wandel vollzogen werden kann. Aktuell befassen sich Prof. Ahlemann und sein Team mit einer Smart-City-Strategie für die Stadt Duisburg. Das Projekt startete vor einem Jahr mit einem ersten Konzept für einen digitalen Masterplan und derzeit werden nach und nach erste Projekte, wie etwa eine IoT-Infrastruktur, aufgebaut. 

Herr Prof. Dr. Ahlemann, zunächst, inwiefern hat Ihr Lehrstuhl mit dem Thema Smart City zu tun?

Prof. Dr. Frederik Ahlemann: Mein Team und ich beschäftigen uns mit dem strategischen Einsatz von Informationstechnologie. Dieses Thema betraf für lange Zeit lediglich die Frage, wie man den Einsatz von IT gewinnbringend in Unternehmen gestalten kann, um diese effizienter zu machen. Doch dies hat sich spätestens in den vergangenen Jahren im Zuge der Digitalisierungswelle dramatisch geändert. IT ist heute nicht mehr nur unterstützend, sondern wesentlicher Gestaltungsparameter bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen aber auch in Städten und Gemeinden. Wichtige Schlagworte sind hier Social Media, Cloud Computing, Big Data Analytics, Internet of Things, Künstliche Intelligenz und Machine Learning. Wir beschäftigen uns mittlerweile umfassend mit der Frage, wie diese modernen Informationstechnologien, die in den letzten Jahren massiv an Bedeutung gewonnen haben, nutzbar gemacht werden können, um nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, sondern auch anderer Institutionen, wie etwa Städten, zu steigern. Und schon ist man mittendrin im Thema Smart City.

Und wie findet Ihre Forschung in der Praxis Anwendung?

Prof. Dr. Frederik Ahlemann: Moderne Informationstechnologien sind ein sehr anwendungsorientiertes Thema. Diesem kann man sich natürlich im Rahmen akademischer Forschung widmen. Wir kooperieren allerdings praxisnah mit der Stadt Duisburg und den dortigen städtischen Gesellschaften. Duisburg hat sich die Entwicklung zu einer Smart City auf die politische Agenda geschrieben und profitiert hierbei von einem breiten Konsens der beteiligten Akteure. Das ist erfreulich, denn es gibt nicht nur eine politische Absichtserklärung, sondern auch ein großes Verständnis und eine Bereitschaft anderer Interessensgruppen vor Ort. So gibt es z. B. ein Interesse an Mitwirkung auf Seiten von Wirtschaftsunternehmen, der Universität sowie des Fraunhofer Instituts. Wir unterstützen einige diese Akteure, in dem wir unser Wissen und unsere Erfahrung in Bezug auf die erfolgreiche Nutzung von Informationstechnologie einbringen.

Wie schafft es eine Stadt wie Duisburg, mit moderner Informationstechnologie smart zu werden? Wie genau läuft das ab?

Prof. Dr. Frederik Ahlemann: Das Thema Smart City ist kein leichtes. Anders als in Unternehmen, wo man typischerweise zentral eine Entscheidung treffen kann, ist das im städtischen Kontext natürlich deutlich komplizierter. Zwar gibt es viele Smart-City-Themen, über deren Umsetzung die Stadt eigenmächtig entscheiden kann, doch daneben gibt es auch Themen, bei denen zusätzlich die lokale Wirtschaft oder städtischen Gesellschaften aktiv werden müssen. Also je nachdem, worüber man im Kontext von Smart City redet, gibt es verschiedene Stakeholder im städtischen Umfeld, und das macht die Sache sehr interessant – aber teilweise auch kompliziert. In jedem Fall erfordert die Entwicklung des Themas Smart City einen sehr spezifischen Planungsansatz – und genau da sind wir tätig. Wir helfen unter anderem der Stadt Duisburg dabei, ein Smart-City-Konzept zu entwickeln, sowie Strukturen und Prozesse zu schaffen, so dass die Entwicklung hin zu einer Smart City auch effizient und effektiv erfolgen kann. Insgesamt kann eine Stadt den Wandel zu einer Smart City nämlich nur schaffen, wenn verschiedene Faktoren zusammenkommen: Bereitschaft zur Mitwirkung, eine funktionsfähige zentrale Koordination, technischer Sachverstand, Sensibilität für die Wünsche und Bedenken aller Beteiligter, Pragmatismus und Nutzenorientierung. Technik ist also nur eine Komponente.

Es ist bereits so, dass auf bekannte Probleme mit digitalen Lösungen reagiert wird. Können Sie ein Beispiel aus ihrem aktuellen Projekt mit der Stadt Duisburg nennen, wie eine smarte Lösung ein städtisches Problem behebt?

Prof. Dr. Frederik Ahlemann: Es gibt einen schönen Anwendungsfall. In Duisburg gibt es das Problem, dass Parkplätze vor Ladesäulen häufig falsch beparkt werden, nämlich von Automobilen, die keine E-Fahrzeuge sind, demnach also auch nicht dort laden. Damit blockieren diese Autos die Ladestationen und tatsächliche E-Autos kommen nicht an die Ladesäule. Eine Lösung besteht nun darin, einen Sensor im Boden zu installieren und diesen über IoT mit der Zentrale zu verbinden, damit geprüft werden kann, ob das derzeitig dort parkende Auto auch tatsächlich über die E-Säule auflädt. Ist dies nicht der Fall, kann das Fahrzeug berechtigterweise als falschparkend abgeschleppt werden. Eine komplette Automatisierung dieses Prozesses vom Überprüfen der Fahrzeuge bis hin zum möglichen Abschleppen ist in Planung. Die IoT-Infrastruktur ist im Aufbau, die Gespräche mit Herstellern der entsprechenden Sensorik laufen. So kann das E-Ladesäulen-Parkproblem kontrolliert und behoben werden.

Was ist denn eine Smart City überhaupt? Und wann ist eine Stadt smart?
Gibt es da ausschlaggebende „Mindest“-Kriterien? Muss alles komplett vernetzt sein oder reicht schon ein Teilbereich, wie ein intelligentes Verkehrsleitsystem?

Prof. Dr. Frederik Ahlemann: Der Begriff ist nicht standardisiert oder geschützt. Jeder darf ihn verwenden – und deswegen sollte man immer genau hinschauen, wenn jemand von einer Smart City spricht. Wenn Städte behaupten, sie wollen eine Smart City werden oder sie seien bereits eine Smart City, stellt sich immer die Frage: Was wurde tatsächlich umgesetzt? Das Spannende am Smart-City-Thema ist die Vielfalt der Handlungsfelder: von smartem Verkehr über smarte Infrastrukturen, smart Living, smart Mobility im öffentlichen Personennahverkehr, etc. Daneben gibt es natürlich auch das Thema E-Government bzw. Smart Government, also den Versuch, den Verwaltungsapparat von Städten zu digitalisieren. Die Liste an Themen ist beliebig lang. Ich glaube, dass man sich dem Smart-City-Thema am besten nähern kann, wenn sich die Stadt die Frage stellt: Was möchte ich überhaupt erreichen? Was nützt es mir und warum betreibe ich es?

Das ist die ausschlaggebende Frage: Was nützt es einer Stadt, smart zu sein?

Prof. Dr. Frederik Ahlemann: Eine Smart City zu sein, ist kein bloßer Selbstzweck. Das wäre auch viel zu teuer....

Die Premium-Inhalte sind Abonnenten vorbehalten. Bitte loggen Sie sich mit Ihren Zugangsdaten ein.

Wenn Sie kein Abonnent sind, können Sie sich kostenlos registrieren und folgende Services nutzen:

  • automatische Benachrichtigung bei neuen Artikeln
  • individualisierte Lese- und Informationsangebote
  • exklusiver Zugriff auf Premium-Inhalte wie Checklisten, Entscheidungshilfen, Whitepaper und Case Studies

Pflichtfelder sind mit einem Stern (*) markiert.

Anrede

Benutzeranmeldung

Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden. Pflichtfelder sind mit einem Stern (*) markiert.

Bildquelle: ©fotolia; elenabsl, ©Prof. Dr. Frederik Ahlemann

Kommentare

Noch nicht bewertet

Es gibt noch keine Kommentare

Kommentar hinterlassen

Haben Sie Fragen oder Anregungen?

Schreiben Sie uns an
info@businessheute.de